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Hommage an Pierre Siegfried Villain (1910–1987)

Pierre Siegfried Villain wurde 1910 in Berlin geboren und besuchte das Französische Gymnasium, wo er 1928 sein Abitur ablegte. Als Sohn eines Vaters, der von französischen Hugenotten abstammte, und einer deutschen Mutter verkörperte er schon in seiner Jugend die lebendige Verbindung zwischen den beiden Kulturen.

Als Gegner des Nationalsozialismus verließ er 1934 Deutschland, um nach Frankreich, seiner zweiten Heimat, zu gehen. Als Dozent für Deutsch an der Sorbonne und später als Gymnasiallehrer am Lycée Voltaire in Paris stellte er sein Talent und seine Leidenschaft in den Dienst der deutschen Kultur und der Völkerverständigung.

Pierre Villain war bereits in den 1950er Jahren einer der Ersten, der an die Möglichkeit einer echten deutsch-französischen Aussöhnung durch die Jugend glaubte. 1954 initiierte er die ersten deutsch-französischen Schüleraustausche zwischen dem Lycée Voltaire und mehreren Gymnasien in Norddeutschland (Hamburg, Stade, Bremen, Kiel). In einer Zeit, die noch von den Wunden des Krieges geprägt war, setzte er mutig auf Vertrauen und Freundschaft.

Seine Idee war einfach und visionär: französischen und deutschen Gymnasiasten die Möglichkeit zu geben, gemeinsam in Gastfamilien zu leben und so die Sprache und Kultur des anderen „von innen heraus“ zu entdecken. Jedes Jahr überquerten mehr als hundert Jugendliche den Rhein in beide Richtungen. Diese Austauschprogramme, die er zwanzig Jahre lang ehrenamtlich organisierte, führten zu dauerhaften Freundschaften und zu einer Generation, die von der Notwendigkeit eines vereinten und friedlichen Europas überzeugt war.
Als anspruchsvoller Lehrer und wohlwollender Pädagoge verstand es Pierre Villain, seinen Schülern einen Geist der Freiheit, des Humanismus und der Toleranz zu vermitteln. Seine 1982 am Französischen Gymnasium gehaltene Rede mit dem Titel „Von der Notwendigkeit, rebellisch zu sein“ hallt bis heute nach: Darin rief er die Jugendlichen dazu auf, ihren kritischen Geist zu schärfen und sowohl die Freiheit als auch die Ordnung zu verteidigen – zwei Werte, die untrennbar mit der Demokratie verbunden sind.

Pierre Villain ging 1974 in den Ruhestand, nachdem er das zwanzigjährige Jubiläum der von ihm initiierten Schüleraustauschprogramme gefeiert hatte. Er hinterließ ein lebendiges Vermächtnis: Mehr als 2.000 französische und deutsche Schüler nahmen an diesen Programmen teil und verkörperten damit schon lange vor ihrer Zeit das europäische Motto „In Vielfalt geeint“.

Sein ehemaliger Schüler Daniel Lavalette, der dieses Abenteuer sowohl miterlebt als auch mitgestaltet hat, hat dem Archiv des Gymnasiums kürzlich mehrere Originaldokumente zu seinem Werk übergeben: Fotografien, Briefwechsel, Presseartikel und den Text der Rede, die Pierre Villain 1982 genau hier hielt: „Von der Notwendigkeit, rebellisch zu sein“.

In dieser von Klarheit und Wohlwollen geprägten Ansprache ermahnte er die Schüler, ihrem Gewissen und der Wahrheit treu zu bleiben, selbst angesichts des Konformismus ihrer Zeit.
Durch sein Handeln trug Pierre Villain dazu bei, die konkreten Grundlagen der deutsch-französischen Freundschaft zu legen, und sein Name verdient es voll und ganz, unter den berühmten ehemaligen Schülern des Französischen Gymnasiums in Berlin zu stehen.

„Es ist ein Fest und eine Belohnung für einen Lehrer, anerkannt zu werden: Man lebt über den Tod hinaus, solange sich jemand an einen erinnert.“
— Pierre Villain, 1983

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